MOBBING
Was ist Mobbing? Was bedeutet Mobbing?
Wo
kommt das Wort her? Wie so vieles im
neudeutschen Sprachgebrauch aus dem Englischen: to mob –
was soviel wie „anpöbeln“ bedeutet.
Mobbing,
das bedeutet Psychoterror - Schüren
von Attacken – Intrigen – Feindseligkeiten – Zermürbungskriege –
eigentlich mehr als nur „anpöbeln“!
Aber:
was machen wir, wenn uns jemand Fremdes auf der Strasse
anpöbelt, nur weil sein augenblicklicher Blutalkoholgehalt etwas
oberhalb der Norm liegt?
Energiebewusst,
wie wir sind, können wir ihn einfach
ignorieren und ihm aus dem Weg gehen. Das ist stressarm, spart Nerven und
Energien.
Andererseits
könnten wir ihn zur Rede stellen und uns mit
ihm auseinandersetzen. Das aber kostet Kraft,
Energie und ist neben jeder Menge Stress außerdem mit dem Risiko einer handgreiflichen Auseinandersetzung verbunden.
Jeder
vernünftig denkende Mensch würde sicherlich nach der ersten Option verfahren.
Aber
– beim Anpöbeln, das wir unter
Mobbing verstehen, funktioniert das nicht immer. Einerseits, weil wir uns
vielleicht den Angriffen nicht entziehen können, weil wir von den Angreifern in irgendeiner Weise abhängig sind, oder
andererseits, weil Mobbingopfer in die Enge getrieben werden. Und
dabei entsteht negativer Stress – sehr viel Stress sogar.
Wir
werden uns im Laufe dieser Ausführungen zwar hauptsächlich mit
dem Mobbing am Arbeitsplatz beschäftigen. Dabei soll aber nicht
unerwähnt bleiben, dass abgesehen von der Arbeit, auch
in allen anderen Lebensbereichen gemobbt wird. Selbst
Kinder bleiben davon nicht verschont: sei es durch die
eigenen Geschwister, im Kindergarten kann das anfangen, sich in der Schule
fortsetzen und selbst die Ehe wird öfter als bekannt Kulisse für Mobbing gegen
den Partner.
In
der bundesdeutschen Arbeitswelt gibt es mehr als 1 Mio. Betroffene.
Jeder 4. Arbeitnehmer wird einmal im Berufsleben zum Opfer. Von Mobbing spricht man, wenn systematisch über einen längeren Zeitraum – nach dem schwedischen Mobbing- forscher Leymann 6 Monate Vorfälle passieren, die augenfällig und gravierend sind. Nach diesem Zeitraum ist mit schweren psychische Folgen bei den Opfern zu rechnen.
Bei 10 – 20 % aller Selbstmorde in Deutschland ist der Auslöser: Mobbing. Eine letzte Flucht aus einer scheinbar ausweglosen Situation?
Die
Auswirkungen betrieblichen Mobbings auf das Privatleben, d. h.
Partnerschaften und Familien sind mehr als alarmierend. Oft werden
Konflikte mit nach Hause genommen und die Aggressionen an schwächere
Mitglieder der Familie verteilt – wir kennen das von der Hackordnung auf dem Hühnerhof.
Die
psychische Gewalt, die Vergewaltigung der Seele,
kommt uns teuer zu stehen: die Kosten für Ausfallzeiten wegen Mobbing
werden für 1997 auf 30 Mio. DM geschätzt.
Kosten
für die Gesellschaft durch Arztkosten, Krankengeld und Frührente.
Abgesehen
davon sinkt bei betrieblicher Anwesenheit der Mobbingopfer deren Leistungsspiegel auf unter 25 %. Sie werden nicht ernst genommen.
Schikanen werden als Lappalien abgetan und bagatellisiert.
Und das Mobbing geht weiter.
Unternehmen
mit einem hohen Konfliktpotential bieten oft den Nährboden für Mobber.
Dabei
haben diese Betriebe hinsichtlich ihrer
Personalentwicklung oft das Nachsehen: Gute und kreative Arbeitskräfte
wandern ab – eine extrem hohe Fluktuation. Nur der Durchschnitt bleibt.
Dienst wird nur nach Vorschrift gemacht, d. h., nur das Nötigste.
Konflikte
wirken sich auf das Arbeitsklima aus und
sind Stressfaktor Nr. 1. Jeder
6. Erwerbstätige fühlt sich krank, weil in seinem beruflichem Umfeld
„dicke Luft“ herrscht.
Konflikte
führen zu Aggressionen und die wiederum müssen über ein Ventil entweichen.
Wenn
zudem auf der menschlichen Ebene keine Austauschmöglichkeiten bestehen, Monotonie und Langeweile den Arbeitsalltag beherrschen, vielleicht
weil der Berufstätige sich unterfordert fühlt, ein schlechter Führungsstil
durch zu schwache Vorgesetzte oder auf über- autoritärer Basis, ist
Mobbing vorprogrammiert. Der Führungsstil bestimmt maßgeblich
eine Mobbingsituation.
Konkurrenzdruck/Angst
vor Arbeitslosigkeit in schlechter Wirtschaftslage lässt auch angepasste Mitarbeiter zu Mobbern werden.
Die
aufgezeigten Zusammenhänge verschiedener Faktoren wandeln sich, wie
oben dar- gestellt, in Aggressionen. Und wenn ein Problem nicht mehr
greifbar ist, wird nach einem Sündenbock gesucht. In diesem
grausamen Spiel dient der Buhmann als Katalysator.
Mobbing
ist abhängig von verschiedenen Strukturen. Psychoterror ist ein
wachsendes gesellschaftliches Problem. Die
Gewaltbereitschaft wächst, und das Unrechtsbewusstsein sinkt.
Dadurch wird die Gesellschaft immer aggressiver.
Besonders
gefährdet ist „der“ oder „die“ Einzelne. Das können Minderheiten
gleich welcher Art sein, Außenseiter, die wegen Behinderungen
stigmatisiert sind, aber ebenso Erfolgreiche und
Kreative mit guten Ideen. Angepasste und Gleichgültige
gehören nur selten in die Risikogruppe.
Neue
Kollegen, gegen die Vorurteile und Neid bestehen, sind
ebenfalls gefährdet. Hier wird der firmeninterne Massstab angelegt,
und wer nicht in das Firmenraster passt, muss entweder angepasst
oder rausgemobbt werden.